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03. Januar 2010, 18:28 Uhr, kleinerdenker

Ohne Titel

Ich schätze, ein Aufmerksamkeitsdefizit steckt nicht in mir drin. Ich denke, ein Termin beim Psychiater ist noch in weiter Ferne. Trotz den Up and Downs, des Hin und Hers, empfinde ich mich als optimistisch denkender Mensch. Schliesslich kommt alles irgendwann wieder gut. Schliesslich scheint die Sonne auch an Regentagen.

Doch heute ist ein Regentag. Und die Sonne lässt sich nicht blicken. Vor 10 Minuten hat es gestürmt, geblitzt, gewindet – und somit die Hoffnung auf einige Strahlen mit im Winde verweht. Willkommen im Jahre 2010. Von Klimaerwärmung ist gar nicht die Rede wert. Die Arktis schmilzt – oder war es die Antarktis? Man beruht sich einzig auf die ökologische Katastrophe. In welchem Stand befindet sich jene der humanitären? Der menschlichen? Den Menschenherzen würde gegebenenfalls eine Klimaerwärmung zu gute kommen. In ihnen die Frostkälte auftauen lassen, das Herz purzeln lassen, zur Explosion bringen. Doch der Mensch ist feige. Feige, weil er lieber vom Regen flüchtet und an lediglich sonnigen Orten um Asyl bittet. Dort angekommen übersieht er, dass die Erde unter ihm minder fruchtbar ist als die ihm zuvor bekannte.

Vor menschlichen Explosionen ist mir nicht bange. Ich fürchte mich nicht um die manch Überreaktionen, welche andere Menschen in ihnen auslösen. Ich lasse mich nicht von anderen Menschen beeinflussen. Wissen ist Macht, aber diese Macht sollte man nicht gegen geliebte Menschen einsetzen. Dennoch hast du dies vollzogen.

Lieber M., deine Feigheit schockiert mich zutiefst. Sechs Jahre lang war ich davon überzeugt, einen wahren Freund ich dich gefunden zu haben. Sechs Jahre lang waren wir auf der gleichen Wellenlänge, haben wir Wein genossen und dabei unsere gegenseitigen ironischen Sprüche angehört. Und einer Explosion wegen flüchtest du. Lass mich nicht fallen.

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08. Juni 2008, 03:57 Uhr, kleinerdenker

Ohne Überzeugung

In meinem Zimmer habe ich Zuflucht gesucht
Diese aber nicht gefunden
Zweideutigkeiten schrieb ich mir auf
Worüber weiss ich nicht
Versuchte, mich zu verletzen
Aber du beherrschst diese Kunst besser als sonst jemand
Spazierte langsamen Schrittes
In der Hoffnung, jemanden zu erblicken
Leider weder Freunde noch Feinde gesehen
Oder jemand, mit dem ich mich beschäftigen könnte
Keine Perspektive
Bloss ein Tröpfchen Alkohol
Ich versuche mich zu entfernen
Ohne Überzeugung
Sogar ans Schneiden und Aufschneiden gedacht
Um Aufmerksamkeit zu erregen
Aber die Probleme, welche dabei entstehen könnten, machen mir zu schaffen
Dann beschloss ich, fern zu sehen
Soviele Ansprüche, unendlich viel Druck
Dass ich schliesslich falsche Taten begehe
Wie im Gegenverkehr zu fahren
Ich bin ein offenes Buch
Aber niemand will mich lesen
Ich versuche, attraktiv zu sein
Aber niemand scheint dies zu bemerken
Und wenn ich nach Inspirationen suche
Kann ich nur aber, aber und nein sagen
Ohne Überzeugung
Ich mag, das Richtige zu tun
Bis jemand kommt und mir vorschlägt, den Beruf zu wechseln
Nun weiss ich nicht, was korrekt ist
Würde gerne von null anfangen
Ohne Erinnerung, ohne Illusion.

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04. Januar 2008, 11:36 Uhr, kleinerdenker

Bettflasche

Heute fühle ich mich wie eine Bettflasche

- - - lediglich bei Dringlichkeit, Einsamkeit, Krankheit, Liebeskummer und aus anderen neurotischen Störungen entstandenen Bedürfnisse abruf- und einsetzbar.

Eine Bettflasche. Eine Flasche im Bett ist anders.

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02. Januar 2008, 16:03 Uhr, kleinerdenker

Sterne

Man sagt, ich sei egoistisch.
Mann sagt, ich sei gefühlskalt.
Frau sagt, ich sei emotionsgeladen.
Ich sage, ich sei ein Gefühlswrack.

Frau sagt, ich sei flatterhaft.
Mann sagt, ich sei festgefahren – im Gefühlssinne.
Man sagt, ich wisse nicht, was ich wolle.
Ich sage, ich wisse, was ich wolle.

Frau vermutet, ich sei geheimnisvoll.
Man weiss, ich bin geheimnisvoll.
Mann bedauert, ich sei geheimnisvoll.
Ich stehe zu und hinter meinem geschlossenen Buch.

Denken möge man, was man, Mann oder Frau will. Die ganzen Sterne gehen mir auf die Waagenschalen. So geheimnisvoll wie ein Fisch, so unschuldig wie eine Jungfrau oder egoistisch und geladen wie ein Skorpion – ich bin unbeschreiblich und impulsiv wie der König der Tiere, obschon ich kein Löwe bin. Die Sterne lügen nicht.

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04. Dezember 2007, 21:03 Uhr, kleinerdenker

Frage

Ist Wortbeitrag dem Ableben nahe? Oder leben alle so glücklich und zufrieden, dass eure Inspirationen, Visionen, Gedanken und Meinung der Seite fern bleiben?

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03. Mai 2007, 00:48 Uhr, kleinerdenker

Alltag

Hustend wache ich auf. Tag für Tag werde ich vom Gedanken nahezu erleuchtet, aufzuhören – aber der Mensch sei ein Gewohnheitstier, sagt P.

M meldet sich selten, M2 hat mich allmählich vergessen.

V betet für mich und meine Zukunft. Welche Zukunft? Möge sie nicht mit dem Beten aufhören.

T ist begeistert über ihren neuen Job.

M ist begeistert, sich selten zu melden.

Ich begeistere mich für sie – würde am liebsten den Geist aufgeben. Dennoch ist in meinem Verstand ein Funken Mitgefühl spürbar. In meinem Verstand. Ratio. Vernunft. Ich fühle für sie. Ich fühle sie. Tief in meinem Inneren. Für sie Freude und Begeisterung, anderen empfinde ich mich überlegen. Überlegen, weil ich mehr denke? Gedanke um Gedanke verschwende?
Hustend gleite ich durch den Tag, möglicherweise, weil ich rauche.
Und ein Rotweinglas nicht einzig Alkohol symbolisiert. Eher als Zeichen, dass ich an der Bar warte, wenn irgendjemand auf mich wartet. Es deutet auf Hölle und Himmel hin, denke ich mir. Er fliesst und durchschwimmt und überschwemmt, bis ich wieder zu denken anfange.
Verschwende ich wieder Gedanken an sinnlosen Bagatellen des Alltagslebens?
Bagatellen sind mein Leben, sie lassen mich tief stürzen, heitern mich auf. Bagatellen sind alltägliche Melancholien, schwindende und schwindelerregende Melodien. Melancholien und Melodien, die mein Leben ausmachen. Das Alltägliche. Heitere Symphonien, begleitet durch Bass- und Tenortönen. Der Kontrast machts aus.

Weder M noch M2 noch P verstehen etwas von Oktaven, geschweige etwas von meinen Melancholien. Sie leben die Zukunft, wo das Alltägliche in die Vergangenheit übergeht. Ich bleibe stehen, bestehe darauf.
Noch immer harre ich an der Bar aus und warte, dass irgendjemand sich setzt und den Rotwein kostet und sich erheitert und aufheitert, um wenigstens dessen Abgang nachvollziehen zu können.

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18. April 2007, 16:44 Uhr, kleinerdenker

Wie ich

Gestern lernte ich jemanden wie ich kennen. Keine Ahnung, ob er diesen Text lesen wird, ihm dieser gefällt, überhaupt das Lesen mag – mein Wissen versenkt in Unwissen. Keine Ahnung, welchen Weg er momentan begeht, seine Probleme sind mir unbekannt, ebenso wenig seine Leidenschaften und seine Lieblingsfarbe. Nicht einmal seine Sehnsüchte kann ich erleben, seine Freuden, seine Lieben, seine Ängste. Bloss erfahren, dass er ein träumerischer Realist ist, in das Leben verliebt, und dieses zu verstehen versucht wie ich. Eine dieser unglaublichen Personen, eine dieser wenigen, welcher der erste Eindruck unwichtig erscheint. Nicht, sie sei mir im Geringsten ähnlich, möglicherweise ist die Titelwahl unpassend, vielleicht sind meine Aussagen übertrieben, aber sie scheint mir einer der ehrlichsten Menschen zu sein. Ein plötzlicher Freund. „Freund“. Jener, welcher nach Antworten sucht, jedoch selbst nicht weiss, ob eine Frage überhaupt besteht. Mehr weiss ich nicht. Er es auch nicht.

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